"weiter nördlich"
Über hügellose Weiten schweift der Blick zum Horizont,
fällt auf Mädchen, fällt auf Kühe erstere sind meistens blond.
Große weiße Windanlagen drehen sich meist rechts im Kreis,
hoch am Himmel ziehen Vögel, deren Namen man nie weiß.

Braunes träges trübes Wasser füllt Kanäle überall,
drüber donnern öfter Flieger - früher noch mit Überschall -,
vor der Küste liegen Inseln, Name endet oft auf "oog",
Watt dazwischen, voller Prile, je nach dem Gezeitensog.

Braun ist auch das Meer, das vorne an die Hafenmole schwappt,
weiß dagegen mancher Kurgast, der in Badelatschen schlappt.
Weiß ist auch das mittelgroße Schiff, das dich hinüberbringt,
grau durchsetzt der Möwenschiss, der jetzt auf deiner Jacke stinkt.

Fast hätt' ich den Wind vergessen, der hier praktisch immer weht,
stetes Rauschen, das nach Wochen manchmal auf die Nerven geht.
Auch der Schrei des Austernfischers ist nach einem "Kliep" nicht um,
morgens früh um fünf Uhr dreißig drehst du ihm die Gurgel um.

Öfter ist das Wetter wolkig, Regen peitscht das Dünengras,
trotz dass du sie hochgekrempelt, wird am Strand die Hose nass,
Muschelbänke und 'ne Scherbe schneiden nackte Füße auf,
auf den meisten Ansichtskarten ist ein Seehundbaby drauf.

Dann wenn du mit einem Jever abends auf der Düne stehst,
weißer Sand kühlt deine Füße, wenn zum Strand du runtergehst.
Sonne, die bei grünem Himmel vorne dort im Meer verglüht,
setzt du dich auf eine Distel, die nur hier endemisch blüht.

Noch ein Biss in's Krabbenbrötchen, das man viel zu schnell verdrückt,
noch ein tiefer Zug mit Seeluft, der die Lungen so beglückt,
plötzlich weißt du was dich wieder hier an diese Stelle treibt
und ein Stückchen deiner Seele, auch wenn du nicht da bist, bleibt.

Text: U. Helmke


"Oh selige Haarpracht"
Gelassen stand auch ich einst vor dem Spiegel und fuhr mir mit der Hand durch's dichte Haar.
Es war mit einer Bürste kaum zu zähmen, die Frauen fanden mich ganz wunderbar!
Doch hinten mit 'ner winzig kleinen Stelle, begann was sich nicht mehr verbergen lässt,
dort wo einst eine stolze Mähne sprießte, da blieb mir nur ein kümmerlicher Rest!

Oh selige Haarpracht, wohin verschwandest du über Nacht?
Warum traf es mich? Und nicht den Herrn dort am Tisch?
Der ist doch kurz vor der Baare und hat noch mehr Haare!
Ja der ist schon ganz fahl! Und nur ich, ich bin kahl!

Seitdem versuche ich zu kompensieren, fahr dicke Autos und sing bei Xangpur.
Wer singt vermag der Welt zu imponieren und viel PS ersetzen die Frisur.
Ich schaue nur noch Filme mit Yul Brynner, Bruce Willis oder Heiner Lauterbach.
Bei denen ist es eigentlich noch schlimmer und trotzdem machen sie die Frauen schwach!

Oh selige Haarpracht, was hat dich dahingerafft?
War es Stress, war es Gift? Oder Zugluft im Lift?
War'n es Psi-Phänomene, oder doch nur die Gene?
Was auch immer dich stahl, letztenendes bin ich kahl!

Getestet hab ich viele Therapien, ob Coffein, Regaine, Propecia.
Auch hab ich mir schon fremdes Haar geliehen, was somit "second head" getragen war.
Noch drücke ich mich vor Transplantationen, die teuer sind und schmerzhaft obendrein!
Ich hab gehört, man kann selbst Haare klonen, aus Zellen aus der Nabelschnur vom Schwein!

Ich sehn mich nach Haarpracht! Für sie hab ich alles gemacht!
Mancher Tipp, manche Tricks, nur genutzt ham' 'se nix!
Ich hab oben nur Poren, dafür wächst's aus den Ohren!
Ja selbst am Genital, nur hier oben bleib ich kahl!

Was meinen Schmerz zum Glück ein wenig lindert: ich bin mit dem Problem nicht ganz allein!
Auch and're sind auf gleiche Art behindert, auch deren Kopf glänzt nachts im Kerzenschein.
Wer ähnlich so wie ich je hat empfunden, der hebe solidarisch jetzt die Hand!
Und fühle sich mit mir ganz eng verbunden, das Schicksal wob ein unsichtbares Band.

Oh ihr Ander'n mit Haarpracht, ich war neidisch bis heute Nacht,
doch nach läng'rem Gegrübel, nehm ich's euch nicht mehr übel!
Denn wir liegen am Ende alle tief im Gelände
und nach einem Quartal seid auch ihr dann oben kahl!

Text: U. Helmke


"Raus bist du"
Seit ich sie das erste Mal sah
sah ich nicht mehr ganz klar
ist es Liebe?
Der Abend hatte längst schon getagt
und sie hat mich gefragt
ob ich bliebe?
Ich mochte Monis roten Erdbeermund
sie tat mir daraus Aktienwerte kund
und ich riet mir dazu:
raus bist du!

Das Glück ließ mich nicht lange allein
bei Helga zog ich gleich ein
wozu warten?
Ihr Morgenduft noch nachtschwärmerisch
auf dem Tisch Blumen frisch
aus dem Garten.
Mein Zeug im Bad nach Größe eingereiht
der Rest mit Pfirsich-Raumspray eingeweiht
und ich riet mir dazu:
raus bist du!

Aller guten Dinge sind drei
bei Heidi war ich so frei
sie zu freien.
Mit zartem ja nahm sie mich zum Mann
auf Händen trug ich sie dann
durch die Reihen.
Ein glattes Hemd bekam sie selten hin,
im Schokopudding waren Klümpchen drin
und ich riet mir dazu:
raus bist du!

Ich hab es wirklich redlich versucht
und nach der Traumfrau gesucht
sogar friesisch.
Unbeschränkt und unbeschwert
lebt sich's nur an Mutters Herd
paradiesisch!
Nur blöd, mein Zimmer ist jetzt Fitnessraum
Mutti managt die Plus-60-Frau`n
sie winkt mir nur kurz zu:
raus bist du!

Text: N. Schiefelbein


"75 D"
Ich lief herum und fragte mich, wie soll es morgen weitergeh'n?
Doch an der Ecke traf ich dich und schwups es war um mich gescheh'n!
Du warst so schön und wunderhold, die Augen groß, der Blick so klar,
und drüber schimmerte wie Gold, dein engelsgleiches langes Haar
Doch eine Schönheit war nicht echt, sie stammte aus Chirurgenhand,
das merkte ich jedoch nicht gleich, du brachtest mich um den Verstand!

Die Haut war ungewöhnlich straff und diese Narben hinter'm Ohr.
der immer etwas stiere Blick, das kam mir dann doch seltsam vor.
Die Lippen waren voll und schön, da hat das Nuscheln kaum gestört
und deine 75 D, die fand ich auch erst nicht verkehrt!
Auch Plastikblumen sind doch schön und Disneyland macht richtig Spaß,
ist erst das Auto gut poliert, dann gibt man nochmal besser Gas!

Doch mit den Jahren wurde ich ein bisschen grau und etwas kahl
und kriegte Falten hie und da, die war'n mir eigentlich egal!
Nur du bliebst glatt und unversehrt, wir sahen doch recht seltsam aus
und so hast du es auch geseh'n, dann endlich tauschtest du mich aus.
Der Abschied fiel mir nicht sehr schwer, ich ließ dich leichten Herzens gehn,
denn jede Seifenblase platzt und schimmert sie auch noch so schön!

Text: U. Helmke

Alle Texte: XANGPUR 2008



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